MOZ 16.12.03: Sorge: Schülerfahrkosten gefährden Zukunft der Dörfer

Veröffentlicht am 17.12.2003 in Allgemein

Seelow/Gorgast (MOZ) Heute Abend, 18 Uhr, machen Eltern und Schüler vor dem Kreistag in Seelow erneut mobil.

Der Verein Eltern für Schüler hat zu einer zweiten Protestdemonstration aufgerufen. Nach der ersten zur konstituierenden Sitzung des neu gewählten Gremiums hatten die Elternvertreter die Zusicherung der Abgeordneten mitgenommen, dass die ungeliebte neue Satzung zur Schülerbeförderung überarbeitet wird. Im Kreisausschuss waren weitere Weichen gestellt worden. Der Kreistag soll heute einen Beschluss fassen, der zusichert, dass auch nach dem 1. Januar 2004 vorerst alles so bleibt wie es ist. Im Laufe der nächsten Monate soll die Satzung überarbeitet werden.

Mit der erneuten Demonstration wollen die Eltern und Schüler dem Kreistag den Rücken stärken, weil die eigentliche Zielrichtung Potsdam ist. Nur, wenn der Landtag den Paragraphen 112 des Landesschulgesetzes wieder kippt, werden die Kreise von der Pflicht entbunden, die "Eltern angemessen an den Fahrkosten zu beteiligen". Der Verein und viele Kommunen fordern, dass der Schülerverkehr weitestgehend kostenfrei bleibt. Schon jetzt müssen nämlich viele Eltern zuzahlen, weil sie die Bedingungen auf Kostenerstattung nach der alten Satzung nicht erfüllen. Meist betrifft dies die Entfernungsregelung. Mit der neuen Satzung würde jedoch jeder Schüler zahlen müssen, auch die Grundschüler. Mittlerweile regt sich landesweit des Protest dagegen. Am Wochenende fand zum ersten Mal in Fürstenwalde eine Demonstration statt, bei der auch der Vorsitzendes des Vereins Eltern für Schüler Mirko Eggert zu den Eltern sprach.

Der Gemeinderat von Küstriner Vorland verabschiedete am Montagabend einmütig eine Resolution gegen eine Elternbeteiligung am Schülerverkehr. Darin wird darauf verwiesen, dass die Belastung für Familien mit Kindern bereits hoch genug ist. Die Geburtenrate indes gehe weiter zurück. "Auf Grund der besorgniserregenden demographischen Situation im Oderbruch befürchten wir eine weitere Abwanderung in dichter besiedelte Regionen oder in die wenigen verbliebenen Schulzentren mit allen Konsequenzen für die Zukunft unserer Dörfer", heißt es in der Resolution. Und weiter: "Die neue Regelung schränkt die freie Schulwahl der Eltern und damit die Bildungschancen unserer Kinder weiter ein."

Der Gemeinderat von Küstriner Vorland, zu dem die Orte Manschnow, Küstrin-Kietz und Gorgast gehören, fordert die Rücknahme des Paragraphen 112 des Schulgesetzes durch den Potsdamer Landtag. Zugleich fordern die Abgeordnete, weitere Schließungen von Schulen im dünn besiedelten Räumen zu unterlassen und stattdessen neue Konzepte vorzulegen. Es müsse Schluss damit sein, dass sich Brandenburg in der Sekundarstufe I auf die Zweizügigkeit versteife. Eine bessere Bildungs- und Erziehungsarbeit könne nur vor Ort in Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule geleistet werden. Täglich immer längere Busfahrten fördere dies auf keinen Fall.

Die Resolution geht an den Kreistag und den Landtag.

 

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