Frauen im Wandel der Zeit

Veröffentlicht am 06.09.2011 in Veranstaltungen

Märkisch-Oderländer Sozialdemokratinnen im Gespräch mit Dr. Gisela Notz (Foto: B. Brauer)

Im Rahmen des zurzeit laufenden Mitgliederwerbeprojektes des SPD-Unterbezirks MOL fand am 03. September 2011 im Landfrauencafé in Groß Neuendorf eine spannende Veranstaltung zum Leben und Wirken von Pauline Staegemann statt – eine der ersten Frauen, die in der SPD führend auftraten. Frau Dr. Gisela Notz, Historikerin und Sozialwissenschaftlerin und bis 2007 im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig, hat die Geschichte dieser Frau erforscht und uns nahe gebracht.

Pauline Staegemann, geb. Schuck, wurde am 18. 03. 1838 im Oderbruch geboren. Zum Geburtsort gibt es zwei Quellen – bei Oderberg oder in Landsberg. Schon als ganz junges Mädchen ging das Arbeiterkind nach Berlin und arbeitete dort als Dienstmädchen. Sie heiratete den Maurerpolier Staegemann. Er starb früh und sie musste den Lebensunterhalt für sich und ihre vier Kinder allein verdienen. Einzige Einnahmequelle war ein Gemüseladen. Ihr Interesse galt insbesondere den berufstätigen Frauen, vor allem den Näherinnen und Wäscherinnen. Sie kämpfte für mehr Arbeit für Frauen und bessere Arbeitsbedingungen. Im Februar 1873 war Pauline Staegemann eine der Gründerinnen des Berliner Arbeiterfrauen- und Mädchenvereins, dessen Vorsitzende sie dann fast fünf Jahre lang war. Dieser Verein gilt bis heute als die erste sozialdemokratische Frauenorganisation. Ihr Engagement zielte darauf ab, an den gesellschaftlichen Wurzeln zu rühren, eine Umwälzung der Gesellschaft einzuleiten, das Wahlrecht für Frauen und die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern einzuführen. Und das zu einer Zeit, in der es Frauen verboten war, sich politisch zu organisieren, sogar die Teilnahme an politischen Veranstaltungen war ihnen untersagt. Aber sie fanden Wege, es dennoch zu tun. Sie kämpften für ihre Überzeugung und nahmen dafür auch Gefängnisstrafen auf sich. Pauline Staegemann wurde mehrmals verurteilt. 1877 wurde der Verein nach dem Preußischen Vereinsgesetz verboten. Das hielt Pauline Staegemann nicht davon ab, sich im Interesse der Frauenrechte an weiteren Vereinsgründungen zu beteiligen und Führungsrollen zu übernehmen. Sie und ihre Weggefährtinnen waren von der Richtigkeit der Sache überzeugt und haben trotz aller Schwierigkeiten nie ans Aufgeben gedacht.

Pauline Staegemann wurde 71 Jahre alt. Auch einige ihrer Nachkommen haben Geschichte geschrieben. Ihre Tochter Elfriede war Abgeordnete des Preußischen Landtages und Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt. Und ihre Urenkelin Jutta Limbach war bis 2002 Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts.

Der Bericht über Pauline Staegemann hat deutlich gemacht, dass es mit großem Engagement, Ausdauer und Zusammenhalt im Kampf für eine Sache möglich sein kann, etwas für die Menschen zu erreichen und gesellschaftliche Veränderungen in Gang zu setzen. Wichtig ist es, Schwerpunktthemen zu erkennen und aufzunehmen und dass dabei möglichst viele in dieselbe Richtung gehen und sich gegenseitig mitnehmen.

Die Sozialdemokratinnen in MOL wollen gemeinsam verstärkt daran arbeiten, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern und sie davon überzeugen, sich zur nächsten Kommunalwahl um ein Mandat in den kommunalen Parlamenten – Gemeinde, Stadt, Landkreis – zu bewerben.

Birgit Brauer
Mitglied um UB-Vorstand

 

Homepage SPD-Unterbezirk MOL

 

 

 

 

 

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