Schönbohm beleidigt Ostdeutsche und Arbeiter

Veröffentlicht am 04.08.2005 in Wahlen

Der CDU-Hardliner Jörg Schönbohm macht eine „erzwungene Proletarisierung" verantwortlich für den neunfachen Kindsmord in Brandenburg. Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft durch die SED sei die Verantwortung für Eigentum wie auch für das Schaffen von Werten verloren gegangen, behauptet der brandenburgische Innenminister.

Diese Erklärung ist aus zwei Gründen ungeheuerlich. Sie beleidigt pauschal alle Ostdeutschen und alle hart arbeitenden Menschen:

1. Damit wird das einfache Erklärungsmuster ‚Die DDR ist an allem Schuld’ wieder aktiviert, anstatt über differenziert die Hintergründe zu reden. Wolfgang Thierse hat dazu Wichtiges gesagt und eine sachliche Debatte angemahnt. „Fragen wir nach der Rolle des Mannes, der Rolle der Verwandten, der Rolle des Alkoholismus als Kavaliersdelikt!", sagte er mit Blick auf das Verbrechen. „Die schwierige Situation in Ostdeutschland erklärt nicht alles, denn Arbeitslosigkeit muss nicht zu Mord führen!" Die Ostdeutschen müssten fragen, was aus ihrem Gerechtigkeitsgefühl und solidarischen Verhalten in harten Zeiten der Marktwirtschaft werde. „Überbieten wir noch den 'westlichen' Egoismus und verlieren jeden Sinn, jede Aufmerksamkeit für unsere Nachbarn?", fragte Thierse.

2. Der Unionspolitiker Schönbohm stellt die Gleichung auf: Proletarier = gewaltbereit. Das ist die blanke Verachtung hart arbeitender Menschen. Das ist das altbürgerliche und ständische Denken der konservativen Union. Das ist die Gedankenwelt ost-elbischer Junker. Jürgen Rüttgers Ausspruch, dass die CDU mittlerweile „die Arbeiterpartei“ sei, hat mit der Wirklichkeit jedenfalls nichts zu tun.

 

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