Interview mit SPD-Chef Matthias Platzeck in der BILD vom 31.03.2004

Veröffentlicht am 01.04.2004 in Landespolitik

Wetten, dass ich die Wahl gewinne?

BILD: Herr Platzeck, ein halbes Jahr vor der Wahl sind 71 Prozent der Brandenburger unzufrieden mit Politik ihrer Regierung. Wie wollen Sie das ändern?

Platzeck: Bei den Zumutungen der letzten Monate ist es normal, dass die Leute ihrem Frust freie Bahn lassen. Da kann man keinen Jubel erwarten. Aber ich bleibe dabei: Wir müssen ehrlich sagen, was Sache ist, keine falschen Hoffnungen wecken. Wir wollen das Schulsystem vereinfachen, Brandenburg zum familienfreundlichsten Land machen und Arbeitsplätze schaffen. Dann werden die Menschen auch wieder Zutrauen fassen.

BILD: Die CDU hat die SPD in der jüngsten Umfrage erstmals deutlich überholt. Wer, glauben Sie, wird nach der Wahl im September Ministerpräsident sein?
Platzeck: Ich gehe davon aus, dass die SPD die Wahl gewinnt. 42 Prozent sind für eine SPD-geführte Regierung, deutlich weniger für eine CDU-geführte. Die Leute haben nicht vergessen, wer das Land 14 Jahre aufgebaut hat – und wer sich 9 Jahre lang nur mit sich selbst beschäftigt hat. Ich werde Ministerpräsident bleiben.

BILD: Sie sagen, die SPD will nicht Juniorpartner der CDU sein. 1999 haben Sie ihre Partei noch erfolgreich vor einer Koalition mit der PDS gewarnt. Warum betrachten Sie die SED-Nachfolgepartei nun als möglichen Partner?
Platzeck: Seit 1989 sind anderthalb Jahrzehnte vergangen. Die PDS hat ihr Programm geändert, es sind neue Leute dazu gekommen. Sie ist im Kreis der demokratischen Parteien ein ganz normaler Partner.

BILD: 54 Prozent der Brandenburger lehnen aber eine rot-rote Regierung ab, nur 21 sind dafür. Falls sich die SPD trotzdem zur Koalition mit der PDS entscheidet, stehen Sie dann als Ministerpräsident zur Verfügung?
Platzeck: Das ist für mich zur Zeit keine Frage. Wir kämpfen nicht für Koalitionen, sondern für die SPD.

BILD: Was brächte eine rot-rote Regierung den Brandenburgern?
Platzeck: Das bewegt mich im Moment nicht. Wir werden einen richtig harten Wahlkampf führen. Welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, das werden wir am Wahlabend herausfinden.

BILD: Sie sind mit Abstand der beliebteste Politiker im Land, Ihre Partei ist aber unbeliebt. Deshalb will die SPD ganz auf die Person Platzeck setzen. Aber werden die Wähler zwischen Ihnen und der SPD unterscheiden?
Platzeck: Es wird nicht nur einen Personen-Wahlkampf geben. Dann bräuchten wir ja kein Wahlprogramm. Matthias Platzeck und die SPD gehören zusammen.

BILD: Wegen Gerhard Schröders Reformpolitik würden bundesweit nur noch 24 Prozent SPD wählen. Ist der Kanzler Ihr ärgster Gegner im Wahlkampf?
Platzeck: Nein. Aber am 19.September geht es nicht um Gerhard Schröder, sondern um Brandenburg. Ich setze mich nicht ab. Wir haben Gerhard Schröder und seine Minister zum SPD-Landesfest am 7.Juli in Potsdam eingeladen.

BILD: Wann startet die heiße Phase?
Platzeck: Nach den Sommerferien am 21. August in Potsdam. Bis zur Wahl werde ich dann täglich in ein bis zwei Städten auftreten. Insgesamt 35 große Kundgebungen und dazu 50-60 andere Termine. Aber: zu allererst wird regiert.

BILD: Wie machen Sie sich fit für den Dauer-Stress?
Platzeck: Für mich ist das kein Stress. Wahlkämpfe haben mir immer Freude gemacht. Ich jogge in letzter Zeit mehr. Körperlich bin ich gut gerüstet.

BILD: Falls sich die SPD nach der Wahl für eine Fortsetzung der Großen Koalition unter CDU-Führung entscheidet, wie sieht dann Ihre Lebensplanung aus?
Platzeck: Ich beantworte keine Fragen, die von einer falschen Voraussetzung ausgehen. Die SPD wird stärkste Partei.

BILD: Schließen Sie aus, dass Sie in die Bundesregierung wechseln, falls Sie die Wahl verlieren?
Platzeck: Wollen wir wetten? Auch am 20.September 2005 heißt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck.

 

Homepage SPD-Unterbezirk MOL

 

 

 

 

 

News von websozis.info

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de